Wearables im Spitzensport

Wearables im Spitzensport

Wearables im Boxsport (2) – Gastbeitrag von Tobias Menzel

Der Boxsport ist eine der körperlich anspruchsvollsten Sportarten der Welt, da er den Sportlern ein Höchstmaß an komplexen und dynamisch technischen, sowie taktischen und physiologischen Fähigkeiten abverlangt. Aus sporttechnologischer Sicht kann modernstes sportwissenschaftliches Equipment gezielt zu einer besseren Leistungsdiagnostik beitragen. Aufgrund des bestehenden, aber unzureichend gedeckten Bedarfs an modernen Tools zur Leistungsdiagnose im Boxsport stelle ich Ihnen in der vorliegenden Projektbeschreibung einen neu entwickelten High-Tech Boxhandschuh vor.

In dem vergangenen Jahrzehnt wurde der Sport durch die Einführung von intelligentem Sportequipment geradezu revolutioniert. Daraus resultierte ein Umdenken in der Sport- und Lifestyle-Industrie. Diese Neuorientierung führte zu einer weltweit gestiegenen Nachfrage für die Aufzeichnung, Speicherung und Analyse persönlicher Leistungsdaten. Diese Entwicklung wird vor allem durch den in den vergangen Jahren deutlich gestiegenen Absatz von „Wearables“ gekennzeichnet, welche eine Kombination von tragbaren Technologien in der Sportbekleidung darstellen. Hobby- sowie Profisportler nutzen diese Tools für eine umfangreiche Analyse der eigenen Leistungsparameter und folglich zur Trainings- und Wettkampfoptimierung.

Im Gegensatz zu anderen Sportarten ist die Anwendung von instrumentalisierter Sportausrüstung im Boxsport bis dato stark eingeschränkt. Diese Limitierung ist hauptsächlich darin begründet, dass nach dem heutigen Stand der Sportwissenschaften kein System zur Verfügung steht, welches außerhalb von Testlaboren in der Lage ist, Schlagkräfte im Boxsport erfassen zu können. Aufgrund dieser Einschränkungen für den Boxsport habe ich in den letzten Monaten ein weltweit neuartiges und noch nie zuvor präsentiertes System entwickelt, welches biomechanische Daten wie die Schlagkraft mit einer nahezu hundertprozentigen Genauigkeit direkt an einem instrumentalisierten Boxhandschuh messen kann.

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Bild: Tobias Menzel

Anders als bei Studien im Labor, bei denen Boxer auf Crash Dummies schlagen, können mit dem neu entwickelten Boxhandschuh Daten in realen Trainings- und Wettkampfsituationen in Echtzeit erhoben, gespeichert und analysiert werden. Im Laufe der weiteren Entwicklung des „Boxhandschuhs der Zukunft“ wird eine speziell auf den Boxhandschuh abgestimmte Analysesoftware programmiert, um die Messwerte schneller und anschaulicher auf einem Laptop, Smartphone oder Tablet darstellen zu können.

Die durch die Software generierten Daten stehen den Trainern sowie auch den Athleten unmittelbar zur Verfügung, sodass gegebenenfalls direkt auf die Leistungsparameter (u.a. Schnelligkeit, Kraft, Präzision des Schlags) Einfluss genommen werden kann. Das Leistungsfeedback, welches über die mitgelieferte Software zur Verfügung gestellt wird, ermöglicht es Trainern sowie Athleten, gezielt Trainingsintensitäten zu steuern und in Wettkampfsituationen taktisch angepasste Anweisungen zu geben. Aufgrund der Datensicherung und anschaulichen Datenwiedergabe ist der Athlet selbständig in der Lage, seine Trainings- und Wettkampfleistung zu überprüfen und somit selbstkritisch die Situation zu reflektieren.

Das Hauptaugenmerk bei der Entwicklung des „Boxhandschuhs der Zukunft“ basiert auf den im Boxhandschuh eingebauten Sensoren, die eine Leistungsanalyse ohne weiteres Equipment ermöglichen. Es wurde dabei besonders darauf geachtet, dass die dynamischen Eigenschaften des Handschuhs nicht verändert werden und somit keine ersichtlichen Unterschiede zu einem herkömmlichen Boxhandschuh zu erkennen sind. Aufgrund des intelligenten Sensordesigns und der zur Auswertung entwickelten Algorithmen ist besonders die hohe Messgenauigkeit der Schlagkraft des Boxers hervorzuheben (98%), die der intelligente Boxhandschuh ermöglicht. Neben der Schlagkraft als einem der wichtigsten Parameter im Boxsport können zahlreiche weitere biomechanische Messwerte zur Leistungsanalyse hochgenau gemessen werden.

Das Einsatzgebiet des entwickelten Boxhandschuhs liegt nicht nur bei den Athleten und Trainern selbst, sondern kann auch auf die Wettkampfrichter ausgeweitet werden. Aufgrund der hochmodernen Datenverarbeitung können offizielle Wettkampfrichter bei ihren Entscheidungen durch statistische Echtzeit-Vergleiche der Boxer unterstützt werden. Darüber hinaus kann Ringärzten durch die Verwendung komplexer Algorithmen ein Gesundheitsprofil beider Kämpfer übermittelt werden, wodurch proaktiv Gesundheitsrisiken für den Athleten eingedämmt werden können.

Der neuentwickelte Boxhandschuh befindet sich zurzeit im fortgeschrittenen Entwicklungsstatus und soll dem Boxsport so schnell wie möglich zur Verfügung stehen. Die Vorteile, die dieses System mit modernsten technischen Mitteln und statistischen Daten für den Amateur- und Profiboxsport zur Verfügung stellt, stehen dabei außer Frage.

Anmerkung der Redaktion: Eine detailliertere Beschreibung des Projekts „Smart Boxing Glove“ befindet sich in der WISS-Projektdatenbank. Nach Registrierung bzw. Login in WISS-Netz sind die Kontaktdaten des Autors über das hinterlegte Profil abrufbar. Darüber hinaus ist eine direkte Anfrage zur Mitwirkung im Projekt möglich.

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