Wearables im Spitzensport

Wearables im Spitzensport

PARADISE: Alternatives Doping-Kontrollsystem auf Wearable-Basis

Athletinnen und Athleten müssen sich im Kampf um Medaillen nicht nur dem fordernden Trainings- und Wettkampfprogramm, sondern auch dem teilweise belastenden Prozess der Dopingkontrollen stellen. Dopingtests sind notwendig, um unerlaubtes Doping festzustellen und so für möglichst faire Bedingungen und Chancengleichheit im internationalen Wettkampf zu sorgen. Um die verschiedenen Leistungsklassen hierbei besser zu berücksichtigen, hat die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) für diesen Zweck die deutschen Sportler in die drei Testpools: Allgemeiner Testpool (ATP), Nationaler Testpool (NTP) und Registered Testing Pool (RTP) eingeteilt. Die Einordnung in die Testpools ist abhängig von Sportart und Kaderzugehörigkeit.

Für Mitglieder aus NTP und RTP muss der Aufenthaltsort drei Monate im Voraus im sogenannten ADAMS (Anti-Doping Administration and Management System) der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) für unangekündigte Kontrollen eingetragen werden. Die Offenlegung und permanente Aktualisierung der Standortangaben stellt neben dem erheblichen Planungsaufwand einen empfindlichen Eingriff in die Privatsphäre dar und birgt eine Vielzahl möglicher Fehlerquellen: Werden Sportler beispielsweise wegen unbeabsichtigter Fehleingaben vom Kontrolleur nicht am gemeldeten Ort angetroffen, kann ihnen ein „Missed Test“ angerechnet werden. Kommt es innerhalb von 12 Monaten zu drei „Missed Tests“, droht eine Sperre von drei Monaten bis zu zwei Jahren.

Mit dem wearablebasierten System PARADISE (Privacy-Enhancing and Reliable Anti-Doping Integrated Service Environment), das von Ex-400Meter-Läufer Jonas Plass initiiert und in einem BMBF-geförderten Projekt mit einem Konsortium verschiedener Partner umgesetzt wird, könnten sich Doping-Kontrollen für Spitzensportler zukünftig deutlich einfacher planen und realisieren lassen. Anstatt im Voraus ihre Aufenthaltsorte in ein System eintragen zu müssen, tragen die Athleten einen GPS-Sender: Ein kleines Kästchen, das in die Jackentasche passt und über das die Sportler durch die Dopingkontrolleure geortet werden können. Hierdurch könnten Dopingkontrollen künftig effizienter, mit weit weniger Aufwand für Sportler und Dopingkontrolleure sowie einem geringeren Datenaufkommen durchgeführt werden. Die Positionsdaten der Athleten werden nämlich nur dann erhoben, wenn sie auch tatsächlich von einem Dopingkontrolleur mit konkreten Testauftrag gebraucht werden.

Ein wichtiger Punkt, denn das ADAMS-System birgt nach Auffassung von Stefan Brink, Landesbeauftragter für den Datenschutz in Baden-Württemberg, erhebliche datenschutzrechtliche Schwächen. Brink, zugleich profilierter Datenschützer für Anti-Doping-Fragen, stellt das ADAMS-System in der jetzigen Form in Frage.

Die Meinungen der Athletinnen und Athleten zu PARADISE sind durchaus kontrovers. Während es für einige mehr Freiheit bedeutet, sehen andere in dieser Maßnahme einen weiteren Schritt zum „gläsernen Athleten“. Der Vergleich zur Fußfessel im Strafvollzug liegt nahe. Trotzdem wird der pragmatische Einsatz der Ortungstechnik in diesem Fall als große Entlastung bzw. eine Erhöhung der Lebensqualität im Sportlerleben angesehen.

Bis es soweit ist, müssen allerdings noch einige Hürden genommen werden. Zum einen muss in der verbleibenden Projektlaufzeit die technische Funktionalität hinreichend nachgewiesen werden, zum anderen muss die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA in Deutschland überprüfen, ob und wie PARADISE ergänzend in die bestehenden Strukturen von ADAMS integriert werden kann.

Während der Zeit vom 2. März bis zum 30. Juli 2017 ist der erste Prototyp von PARADISE im Rahmen der Ausstellung „Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt“ im Heinz Nixdorf Musem zu sehen. Das BMBF-Projekt selbst läuft noch bis Februar 2018.

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