Wearables im Spitzensport

Wearables im Spitzensport

Der KRAFTOMAT – Sensorgestützte Trainingsprotokollierung zur objektiven Steuerung von Belastung und Beanspruchung

Zur Trainingsteuerung ist eine Beschreibung der Ursache-Wirkungs-Beziehung des absolvierten Trainings und der resultierenden Leistung unerlässlich. Durch eine detaillierte Protokollierung können bisher ungenutzte Potentiale identifiziert und ausgeschöpft werden. Ebenso wird eine empirische Grundlage für die Trainer als Entscheidungsträger geschaffen und hilft so den fortlaufenden Trainingsprozess objektiv zu steuern.

KRAFTOMAT3

Startbildschirm mit den Menü-Punkten

Jedoch ist diese Protokollierung nur mit großem Aufwand realisierbar und stellt Trainer und Athleten immer wieder vor motivationale und organisatorische Hindernisse. Dies führt mitunter zu einem hohen Konfliktpotential zwischen den beteiligten Parteien. Zudem lassen sich einige relevante Parameter, speziell des Krafttrainings nicht manuell erfassen.

Auf Basis der Erkenntnisse aus einem vorigen Projekt an der Universität Stuttgart (Brown et al., 2015) wurde im Rahmen der KINGS Studie ein Smartphone-App basiertes Verfahren entwickelt. Der KRAFTOMAT dient als organisatorische Vereinfachung für die Protokollierung des Krafttrainings. Zudem ermöglich die sensorgestützte Aufzeichnung eine Dokumentation vieler objektiver Trainingsparameter. Somit kann eine umfassende Quantifizierung des Trainings erfolgen. Zudem kann erstmals ein objektiver Ermüdungsfaktor zur Bestimmung der Beanspruchung im Krafttraining ermittelt werden (Brown et al., 2016).

Anwendungsmöglichkeiten:

Der KRAFTOMAT besteht aus einer Sensor-Uhr und einer zugehörigen Smartphone-App. Die App ist sowohl für iOS als auch für Android Geräte verfügbar. Die App bietet fünf Menü-Punkte. Neben der Kernmöglichkeit, das Training über den KRAFTOMAT-Sensor zu dokumentieren, besteht die Option ein bereits absolviertes Training im Menü „training eingeben“ händisch zu dokumentieren. Über den Reiter „datenbank“ können die

KRAFTOMAT4

Trainingsplan-Interface

Teilnehmer der KINGS-Studie bereits dokumentierte Trainingseinheiten erneut abrufen und diese zur Auswertung an die Studienleiter versenden. Im Abschnitt „fragebögen“ befinden sich Verweise zum „ImmunScore“ und dem „AEB“ (Akutmaß Erholung und Beanspruchung). Über die „übung suchen“ –Funktion steht dem Nutzer eine Übungsbibliothek als Nachschlagewerk zur Gestaltung der Trainingspläne zur Verfügung.

Die Zentrale Funktion bleibt jedoch die automatisierte Dokumentation des alltäglichen Trainings. Die Studienteilnehmer können im Menü „training starten“ beliebig viele Trainingspläne anlegen und speichern. Ebenso können sie vorher gespeicherte Trainingspläne aufrufen. Die Gestaltung der Trainingspläne richtet sich hierbei nach dem Trainingsziel. Beispielsweise wird dem User bei der Auswahl der Hypertrophie-Methode eine Wiederholungsspanne angeboten (in diesem Fall 8-12 Wiederholungen). Des Weiteren können die Übungen, Pausenzeiten und die Satzzahl angegeben werden.

Nachdem alle Optionen für das Training festgelegt wurde, kann das Training gestartet werden. Über eine grüne Schaltfläche zeigt die App die Kopplung zum Sensor und damit die Bereitschaft zum Aufzeichnen des Trainings.

KRAFTOMAT5

Ist der Satz beendet so kann die Aufnahme auf dem Bildschirm sowie am Sensor selbst beendet werden. Der KRAFTOMAT hat nun die Anzahl an Wiederholungen, das Bewegungsausmaß, die Spannungszeiten in der isometrischen, konzentrischen und der exzentrischen Phase und den Fatigue-Marker aufgezeichnet. Nach jedem Satz wird der User über die subjektive Intensität anhand einer Borg-Skala befragt. Nach beenden des Trainings werden die Daten zur Verarbeitung versendet.

Neben der automatischen Dokumentation der allgemeinen Trainingsdaten bietet der KRAFTOMAT den Vorteil der Kombination subjektiver und objektiver Marker, die zeitgleich und ortsgleich aufgezeichnet werden.

Ebenso können nun Daten erfasst werden, die dem Trainer durch reine Beobachtung entgehen. Trainer und Athleten werden hierdurch im fortlaufenden Trainingsprozess entlastet. Für die Steuerung des Training bedeutet das für die Trainier einen enormen zeitlichen und inhaltlichen Vorteil gegenüber konventionellen Methoden und ermöglicht eine umfassende Analyse des Belastungs-Beanspruchungsgefüges der betreuten Sportlerinnen und Sportler.

 

Ansprechpartner:

Universität Stuttgart

Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft Abteilung Biomechanik und Sportbiologie

Prof. Dr. Wilfried Alt

+49 711 685 63186

+49 711 685 63165

wilfried.alt@sport.uni-stuttgart.de

Schreibe einen Kommentar!